Abschied von einem Freund. Ein Nachruf auf Thomas Wöhrle

 

Normalerweise würde ich in diesem Augenblick im Pressezentrum der Messe Stuttgart mit Thomas über Logistik fachsimpeln.  Wir hätten uns wie in jedem Jahr auf der Logimat getroffen, uns zur Begrüßung umarmt, Neuigkeiten aus der Logistik ausgetauscht: Welche Innovationen sind echt, welche nicht? Welche Kollegen haben gewechselt? Wie war der letzte Urlaub? Was können wir in diesem Jahr gemeinsam unternehmen? Welche Projekte stehen an? Wir hätten viel gelacht und – wie immer in den vergangenen 19 Jahren – viel Spaß gehabt. Normalerweise.

Stattdessen stehe ich schweren Herzens vor Ihnen, um einen Nachruf auf einen Berufskollegen und langjährigen Freund zu halten und die Abschiedsgrüße einer ganzen Branche zu überbringen. Deren Zustand kann man nur mit „fassungslos“ beschreiben. Viele Kollegen sind heute persönlich gekommen, um sich zu verabschieden und unzählige haben mich gebeten, einen letzten Gruß an Thomas zu überbringen. Er wollte nie im Mittelpunkt stehen, aber das hätte ihn gefreut.

Der Logistikjournalismus verliert einen ganz Großen und vor allem einen ganz besonderen Menschen.

1998 habe ich Thomas als Volontär bei Logistik Heute eingestellt. Er kam hereinspaziert, lässig und mit dem Lächeln, das wir alle so gut kennen. Nach dem Gespräch gab es keinen Zweifel, dass er die Stelle bekommen würde. Es war eine meine ersten Personalentscheidungen als Chefredakteurin von Logistik Heute, und es war eine meiner besten. In Wahrheit – das dämmerte mir schon recht bald – habe aber nicht ich ihn ausgesucht, er hat sich uns ausgesucht. Ich betrachte das heute noch als Kompliment, und es war ein Glück, denn wir waren so etwas wie das Dream Team der Logistik Heute. Wir haben wunderbare Geschichten geschrieben, große und kleine Feste gefeiert – es war eine phantastische Zeit und der Beginn einer Freundschaft.

Dass er sich uns ausgesucht hat, charakterisiert aber mehr noch Thomas` Wesen,
Er hatte ein Gespür, einen inneren Kompass, für das was gut und richtig für ihn ist. Hat sich etwas richtig angefühlt, hat er es getan. Wenn nicht, hat er es gelassen. Und Logistikjournalist zu werden, hat sich für ihn richtig angefühlt. Etwas anderes wollte er nie sein, er ist diesen Weg konsequent gegangen, und er ist ihn mit Erfolg gegangen. Thomas Wöhrle ist ein klangvoller Name in der Logistik, eine feste Größe – exzellent vernetzt, hoch respektiert, und dabei bescheiden und liebenswert, wie kein anderer.

Seine Ruhe und Gelassenheit sind legendär. Ich kenne niemand, der freundlicher, sympathischer und dabei so professionell seinen Job gemacht hat. Er hat aus den Themen etwas gemacht, sie zum Leben erweckt. Er hat den Taxifahrer, der ihn zum Interview gefahren hat, mit der gleichen Freundlichkeit und dem gleichen Respekt behandelt, wie den Vorstandsvorsitzenden oder Minister, den er interviewte.

Wenn ein solcher Freund überraschend stirbt – und für viele von uns war und ist Thomas nicht nur Berufskollege, sondern ein Freund – ist die spontane Reaktion nur daran zu denken, was man verliert. Wie es sein würde, ohne ihn? Warum ausgerechnet er? Es wirft einen aus der Bahn. Ich kann und will mir momentan nicht vorstellen, wie es ist, dass er nicht mehr zu meinem Leben gehören soll.

Aber irgendwann, wenn der Schmerz und die Trauer nachlassen, dann bin ich sicher, werden wir alle erkennen, was wir durch Thomas gewonnen haben. Wie er uns und unser Leben geprägt hat. Was wir von ihm gelernt haben.

Das fängt bei glücklichen Erinnerungen an, die sicher jeder von Ihnen hat. Mir hat er Skifahren beigebracht. Ich habe heute noch sein Lachen im Ohr und ich bin ihm dankbar, dass er dafür gesorgt hat, dass ich zuerst heil den Berg hinuntergekommen bin und nach einem Tag sogar stehend auf meinen Skiern.

Ich habe aber auch von ihm gelernt, gelassen zu bleiben, selbst wenn man innerlich ganz anders fühlt. Er hat uns entschleunigt, mitten im hektischen Mediengeschäft eine Ruhe ausgestrahlt, wie es niemand sonst konnte. Er hat uns vorgelebt, dass man mit Freundlichkeit und Respekt viel weiterkommt – auch und gerade im Journalismus. Und das wichtigste: Er hat uns allen gezeigt, dass man sich nicht mit Dingen aufhalten soll, die sich nicht gut anfühlen. Das alles ist leichter gesagt, als getan. Aber Thomas war so. Genau so. Und jeder, den ich kenne wollte immer ein bisschen so sein wie Thomas.

Eine junge Journalistin, die unsere Trauer um Thomas mitbekommen hat und die ihn im Übrigen gar nicht persönlich kannte, sagte am Dienstag zu mir: „Thomas Wöhrle war mein Vorbild“. Das trifft es auf den Punkt. Das war er. Thomas war ein Vorbild in vielen Dingen und das wird er bleiben.

Meine letzten Worte möchte ich im Namen aller Logistikjournalisten und der Logistik an Thomas persönlich richten.

Lieber Thomas, wo immer Du auf Deiner Reise jetzt auch bist. Es ist ein großes Glück, Dich zu kennen und Du wirst immer einen Platz in unseren Herzen, in meinem Herzen haben.

 

Nachruf von Anita Würmser
15.3.2018, Hauptfriedhof Karlsruhe

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About the Author

Journalistin und geschäftsführende Juryvorsitzende der Logistics Hall of Fame und des IFOY AWARD. Inhaberin von wuermser.communications.



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