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Published on 4. März 2018 | by Anita Würmser

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Logistiksoftware wie Autos produzieren

Google testet fahrerlose Autos, Mercedes hat auf den Future Truck 2025 das Ablaufdatum des Fahrerberufes gleich auf die Plane des Trucks gedruckt, Amazon arbeitet daran seine Kunden zu beliefern, bevor die überhaupt etwas bestellt haben und eine simple App revolutioniert das Taxi-Gewerbe: Die Digitalisierung bestimmt längst unser Leben und wird zum wettbewerbsentscheidenden Faktor der Logistik. „Keine App, kein Geschäft.“, hat Logistikforscher Professor Dr. Michael ten Hompel das einmal sehr treffend genannt. Die großen Logistiker haben das längst erkannt und entwickeln selbst, immerhin sitzen sie auf den Gütermobilitätsdaten – und damit einem der größten Datenschätze der Welt.

Doch die Logistik fremdelt mit ihrere IT-Entwicklung: Seit zwei Jahrzehnten spielt Software zwar eine immer bedeutendere Rolle , die jedoch wird immer noch von Menschen programmiert, die noch nie ein Lager von innen gesehen, geschweige denn Ahnung von Logistik haben. Entsprechend reaktiv, fast schon lethargisch ist die Logistikbranche IT-technisch betrachtet unterwegs. Da kommt der Apell ten Hompel´s gerade recht: „Statt mit den Systemen zu leben, die die Softwareindustrie uns anbietet, muss die Logistik zu der führenden Instanz in der Softwareproduktion werden. Dies kann nur durch einen radikalen Wandel in der Softwareentwicklung gelingen. Wir müssen in Deutschland künftig Software produzieren wie Autos – zielgerichtet, informationseffizient und ökonomisch«, ließ Prof. Dr. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IML, beim Zukunftskongress Logistik recht wenig Zweifel daran, wohin die Reise geht.

Am liebsten vom Silicon Valley ins Digitale Ruhrgebiet. Das Silicon Valley kopieren will man nicht, doch der Anspruch ist big, big, big. Er muss es sogar sein, denn „Software ist eines der wichtigsten Produktionsmittel und zentrales Innovationsmedium der Zukunft. Um zukünftig Ideen in den Markt bringen zu können, müssen wir sie in Software gießen können, in kurzer Zeit, zu vernünftigen Preisen, mit hoher Qualität und Sicherheit. Länder mit einer eigenen Technologieentwicklung seien im Wettbewerb taktgebend, denn sie setzten die Standards. und dort wird später auch das Geschäft gemacht.

Nun hat es die Logistikwirtschaft in der Handel, ob der Plan aufgeht. Wenn die Unternehmen und die Politik der Branche weiter darauf warten, dass ihnen die Softwareindustrie vielleicht irgendwann einmal etwas programmiert, was man brauchen kann, dann wird die Logistik wohl nicht schnell genug sein, um auf das nächste disruptive Geschäftsmodell die richtige Antwort zu finden.

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About the Author

Journalistin und geschäftsführende Juryvorsitzende der Logistics Hall of Fame und des IFOY AWARD. Inhaberin von wuermser.communications.



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