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Published on 18. Februar 2019 | by Thilo Jörgl

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Start-Up-Pitches sind keine Zirkus-Veranstaltungen!

Kaum zu glauben: Angeblich tummeln sich im großen Logistik-Teich weltweit etwa 5.000 Start-Ups. Internet of Things, Künstliche Intelligenz oder neue Plattformen. Das sind nur drei von vielen Themen, mit denen sich junge und junggebliebene Tüftler beschäftigen – und die Gelegenheit am Schopf packen, im digitalen Zeitalter eine eigene Firma zu gründen. Zur ganzen Wahrheit gehört auch: Von den zahlreichen Entrepreneuren scheitern auch immer wieder welche – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Aber das sei hier nicht das Thema. Denn es gibt eine Heerschar junger Unternehmen, die mit cleveren Lösungen auf der Suche nach Kunden sind. Und nicht wenige etablierte Firmen (von Start-Ups gerne Corporates genannt) halten nach neuen Ideen für die Logistik Ausschau und laden Jungunternehmen zu sich ein. Wobei die „Einladungen“ manchmal den Namen nicht verdienen.

Wer sich mit Start-Ups unterhält, bekommt manchmal schräge Geschichten über den ein oder anderen Start-Up-Pitch berichtet, bei denen die Jungunternehmer binnen ein paar Minuten ihr Produkt vorstellen dürfen, das ein (logistisches) Problem löst. Der Haken dabei: So manches Großunternehmen lädt eher planlos als planvoll Tüftler ein und lässt diese dann auftreten, wie es im alten Rom üblich war: In einer Manege, wo dann Abteilungsleiter nach wenigen Minuten die Daumen senken – oder wenn es gut läuft – heben. Wohlgemerkt: Das ist nicht überall Usus, aber es kommt vor.

„Dieser Zirkus bei den Pitches ist bei so mancher Firma echt peinlich“, sagte vor Kurzem Alfons Rieck, Vice President Technologie und Innovation bei Festo, vor den Teilnehmern des 3. Stuttgarter Supply Chain Executive Forum 2019 von TMG Consultants. Damit trifft Rieck den Nagel auf den Kopf. Und weil er nicht nur den Zeigefinger haben wollte, zeigte der Schwabe Wege auf, wie Firmen intelligenter mit Start-Ups umgehen sollten. Er lieferte dazu einen Einblick in den Alltag von Festo, dem Steuerungstechnikspezialisten aus Esslingen.

Schon auf der Suche nach Start-Ups können sich Firmen vergaloppieren. Es macht aus Riecks Sicht keinen Sinn, wenn möglichst viele und kaum vorausgewählte Start-Ups vor der Belegschaft vorsprechen. Festo hat sich in der Vergangenheit schon für den Prozess des Screenings viel Zeit genommen und dabei mithilfe von Technologie-Experten nach Lösungen gesucht, die für die Esslinger interessant sein könnten. Und dann wurden auch nicht Festo-Mitarbeiter zwangsverpflichtet, den Präsentationen beizuwohnen. Alle Interessierten waren freiwillig anwesend. Und die besten Gespräche und Ergebnisse ergaben sich Rieck zufolge, als sich Entwickler mit Entwickler unterhielten – und zwar auf Augenhöhe.

Zurecht warnte Rieck davor, dass potente Firmen junge Start-Ups mit einem Haufen Geld kaufen – und die jungen Talente dann in Konzernstrukturen quetschen und ihnen vorschreiben, was sie zu tun haben. Falsch! Wer so vorgeht, läuft Gefahr von den jungen Leuten schnell eine Kündigung auf dem Schreibtisch zu bekommen. Denn Start-Ups ticken anders.

Neudeutsch spricht man von einem anderen Mind-Set. Gründer wollen in der Regel mit mehr Engagement als so mancher Industriebeamte zügig Probleme lösen – und nicht Zeit absitzen oder sich mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen. Dafür brauchen sie Freiraum.

Und wenn die Start-Ups mit den Corporates kooperieren, darf auch mal etwas schiefgehen. Fail fast heißt das im Start-Up-Jargon. Wer da auf Null-Fehler-Politik setzt, erstickt Pilotprojekte im Ansatz. Eines kann man von Festo auch noch lernen: Damit sich bestimmte Abteilungen wie etwa die Produktion für neue Ideen und externen Input junger Querdenker öffnen, macht es Sinn, dass nicht die jeweilige Abteilung das Pilotprojekt bezahlt, sondern die Chefs der Innovationsabteilung.

Festo hat es mit diesem Vorgehen übrigens weit gebracht – und eigene Mitarbeiter mit neuen Lösungen aus den Start-Up-Köpfen begeistert. Bestes Beispiel: Seit einiger Zeit hat sich der Einsatz des „intelligenten Handschuhs“ von ProGlove zum Scannen in der Logistik bewährt. Die Fahrer der Routenzüge nutzen das Wearable für die Warenentsorgung in der Montage.

Anfang März stellt sich ProGlove übrigens dem Intralogistikwettbewerb IFOY. Zirzensische Vorführungen sind nicht geplant. Die nominierten Lösungen von Start-Ups müssen vielmehr den IFOY Innovationcheck und den IFOY Test durchlaufen. Das Gleiche gilt für die zugelassenen Geräte schwergewichtiger Corporates wie Jungheinrich, Still & Co.

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About the Author

Thilo Jörgl

Managing partner, impact media projects. Editor in chief www.bestoflogistics.de Brands: IFOY AWARD, Logistics Hall of Fame



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