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Published on 8. Februar 2019 | by Thilo Jörgl

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VDA Logistik Award 2019: Warum Continental jetzt genau weiß, wo sein Teile sind

Automotive-Laien wissen: Die heutigen Fahrzeuge bestehen aus Tausenden von Teilen. Experten wissen: Wenn zum Beispiel ein nagelneuer VW Tiguan vom Band läuft, wurden darin 25.000 Teile verbaut. Und die meisten davon hat Volkswagen nicht selbst hergestellt – sondern Hunderte von Lieferanten sowie deren Unterlieferanten. Insofern müssen in Sachen Logistik nicht nur die großen OEMs ihre Prozesse und Ketten perfekt im Griff haben, sondern auf ihre Supplier. Damit immer die richtigen Teile zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Naturkatastrophen, Streiks, Unfälle: Die Gründe, warum Waren in der globalisierten Welt nicht pünktlich dort ankommen, wo sie just-in-time erwartet werden, sind vielfältig. Supply Chain-Experten in der Automobilindustrie scheuen daher weder Kosten noch Mühen, wenn es darum geht, in Echtzeit zu wissen, in welcher Ecke der Erde sich ihre Waren gerade befinden – um im Fall der Fälle sofort reagieren zu können. Ein Zulieferer, der seit Kurzem deutlich mehr Durchblick in seiner Kette hat als viele andere, ist Continental. „Supply Risk Management 4.0“ heißt das Geheimnis der Hannoveraner, die weltweit 400 Standorte haben.

Für die Cloudlösung zur Echtzeit-Analyse der Lieferketten hat der Zuliefer-Riese mit seinen 244.000 Mitarbeitern im Rahmen des Forums Automobillogistik des VDA und der BVL den „VDA Logistik Award 2019“ eingeheimst. Zurecht. Denn mit dem Tool können die Logistiker in kurzer Zeit Engpässe durch den Ausfall von Materiallieferungen erkennen – und reagieren. Durch die Neuverteilung von Lagerbeständen können Lieferausfälle vermieden werden.

Mit dem ausgezeichneten Konzept kann Continental Vorlaufzeiten bis zur Information bei möglichen Lieferausfällen deutlich verkürzen. Außerdem wird laut dem VDA ein ganzheitliches Risiko- und Allokationsmanagement aufgebaut – durch die Ergänzung bestehender Prozesse um eine kontinuierliche Risikoanalyse der Lieferkette. Als Grundlage werden Lieferanten- und Kundeninformationen in einer Datenbank integriert. Individuelle und manuelle Berechnung der Endkundenreichweite werden durch automatisierte Abfragen und globale Simulation abgelöst. Das verkürzt die Vorlaufzeit zur Kundeninformation von 48 auf 12 Stunden. Auch technologisch ist die Lösung interessant: Es kommen Big Data- und Cloud-Technologien zum Einsatz.

Was die Jury zudem beeindruckte: Das Ganze ist aus dem Versuchsstadium schon heraus. Der Roll-Out ist voll im Gange und soll laut dem Zulieferer dieses Jahr noch abgeschlossen werden. Jürgen Braunstetter, Leiter Supply Chain Management Automotive bei Continental, zeigte sich über den Gewinn des Preises erfreut. „Unsere Vision der digitalen Lieferkette wird durch das Risikomanagements 4.0 zur Realität. Mit unserer vernetzten Supply Chain erreichen wir mehr Effizienz und Sicherheit und können auf die immer komplexer werdenden Bedingungen agil reagieren“, sagte Braunstetter. „Ich bin sehr stolz, dass das gesamte Continental-Team die Jury des VDA Logistik Awards mit seiner außergewöhnlichen Leistung überzeugen konnte.“

Was nicht unerwähnt bleiben sollte: Mit seiner Bewerbung hat sich der Zulieferer im Finale um die Trophäe des Verbands gegen zwei schwergewichtige Autohersteller durchgesetzt: Daimler und VW. Die rund 500 Teilnehmer des Forums Automobillogistik spendeten deshalb dem Conti-Team in der BMW-Welt reichlich Applaus.

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About the Author

Thilo Jörgl

Managing partner, impact media projects. Editor in chief www.bestoflogistics.de Brands: IFOY AWARD, Logistics Hall of Fame



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