Gast-Blog

Published on 13. Januar 2020 | by Stefanie Nonnenmann

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Respekt: Ein guter Vorsatz für jeden Tag

Nichts wird so häufig ins neue Jahr geschleppt wie gute Vorsätze. Solche, die direkt gebrochen werden und solche, die nie ganz ernst gemeint waren. Doch es gibt auch gute Vorsätze, die es zu leben lohnt. Etwa den wertschätzenden Umgang miteinander – im Privatleben wie im Berufsalltag. Ein Gastkommentar von Jens Thiermann, Gründer des Vereins „Die Transportbotschafter e.V.“

Wertschätzung und Anerkennung erleben zur Weihnachtszeit ihren Höhepunkt und werden dann wie gute Vorsätze zwischen Alltagsroutine und Termindruck zerrieben. Doch das muss nicht sein. Jeder kann etwas tun, um respektvoll mit seinen Mitmenschen umzugehen und selbst Anerkennung zu ernten – jeden Tag. Für viele Berufskraftfahrer klingt das wie eine ferne Vision. Als ich in der Lehre war, gab es für Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer noch einen Daumen hoch. Ganz analog und direkt. Berufskraftfahrer war ein angesehener Beruf und den Ausübenden begegnete man mit Respekt. Heute ist das anders.

Der Umgangston in der Logistik ist rau

Fahrer sind hierzulande das schwächste Glied einer langen Kette von Abhängigkeiten. Und viel zu oft werden sie genau so behandelt: kein freundliches Guten Tag, kein Verständnis für kleinere Verspätungen trotz langer Anfahrt, kein kollegialer Schnack an der Rampe. Bei vielen Unternehmen scheint die Kultur am Hintereingang zu enden. Ich selbst erlebe das jeden Mittwoch, wenn ich mit unserem Transportbotschafter-Truck unterwegs bin. Wir fahren einen US-amerikanischen Langhauber, was das Rangieren zusätzlich erschwert. Da fällt es besonders auf, wenn niemand beim Einweisen helfen kann und vor den Rampen keine Bodenmarkierungen existieren. Dabei kostete letzteres den Betreiber der Verladestelle einen Eimer Farbe!

Respekt für große Leistungen und kleine Schritte

Aus diesem Grund haben wir uns für 2020 vorgenommen, jeden Tag aufs Neue Respekt zu zeigen. Für die Leistungen der Frauen und Männer in den Fahrerhäusern, an den Rampen und Lagern sowie im Büro. Wir wollen anderen die Augen öffnen, damit auch der hupende Autofahrer versteht, dass die Logistik für IHN arbeitet und es ohne Logistik keine Arbeitsteilung, keinen Expressversand und keinen florierenden Onlinehandel gäbe.

Dabei kann auch die Politik helfen. Denn viel zu häufig suggerieren Politiker, dass man nahezu jeden Arbeitssuchenden zum Berufskraftfahrer ausbilden könne. Als Transportbotschafter halte ich das für falsch. Wir fordern die Politik auf, die Leistung der Logistik endlich anzuerkennen.

Einige Vorschläge für sinnvolle politische Regelsetzungen, die kurzfristig umgesetzt werden und schnell Wirkung zeigen können, sind:
• Rastplätze an Autobahnen so ausrichten, dass die Lkw-Kabinen von der Fahrbahn wegzeigen.
• Fahrerhäuser großzügiger dimensionieren, ohne dabei Ladefläche abzugeben – für mehr Sicherheit und Komfort für die Fahrerinnen und Fahrer.
• Das Tempolimit auf Land- und Bundesstraßen erhöhen. Damit Lkw nicht den Verkehr aufhalten und Pkw-Fahrer zu waghalsigen Überholmanövern verleiten.

Wer unsere Forderung nach mehr Wertschätzung – vom Danke bis zur politischen Regelsetzung – unterstützen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Auf der Petitionswebsite der Transportbotschafter haben wir den offenen Brief an die Politik abgedruckt sowie eine Petition gestartet. Jede Unterschrift zählt und verleiht unseren Forderungen mehr Gewicht. Helfen Sie uns mit Ihrer Unterschrift oder sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Ihre Meinung.

Jens Thiermann, Gründer des Vereins „Die Transportbotschafter e.V.“

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About the Author

Stefanie Nonnenmann

PR-Journalistin und Projektmanagerin, impact media projects. www.bestoflogistics.de Brands: IFOY AWARD, Logistics Hall of Fame



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